»Digital Compost Lab« denkt digitalen Abfall als kulturellen Kompost und macht Prozesse digitalen Verfalls erfahrbar.





Lorena Droste
Fotos: Dominik-Antoni Krolikowski, Liliana Carls
Entwickelt von Vinay Khare im Rahmen seiner SBYD Tech Residency untersucht das Projekt, wie immaterieller digitaler Verfall greifbar und sinnlich erfahrbar gemacht werden kann – und wie sich daraus eine Kultur des bewussten digitalen Konsums entwickeln lässt. In partizipativen Prozessen werden digitale Medien in sich stetig wandelnde Klanglandschaften, Glitch-Art und medienübergreifende Ausdrucksformen übersetzt. Abfall erscheint dabei nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt neuer Zyklen.
In einer Welt permanenter Produktion hinterlässt digitale Überproduktion unsichtbare, zugleich jedoch wirksame Spuren – von Emissionen durch Serverinfrastrukturen bis hin zu kognitiver Überlastung. Das Projekt bezieht sich auf den Kontrast zwischen der zyklisch organisierten Biosphäre, in der Abfall zu Nährstoff wird, und der weitgehend linear funktionierenden Anthroposphäre, in der sich Produktion anhäuft.
Vor diesem Hintergrund verortet sich das Digital Compost Lab und stellt die Frage, wie digitaler Überschuss in einen regenerativen Prozess überführt werden kann. Durch den Einsatz analoger Technologien wie Kassetten und Tape-Loops sowie historischer technischer Verfahren rückt die Arbeit die physischen und zeitlichen Qualitäten von Daten in den Fokus – Aspekte, die im zeitgenössischen digitalen Alltag häufig übersehen werden. Präsentiert wurde das Projekt im Museum Folkwang.
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Diese Residency war Teil von SBYD.SPACE, einem Programm, in dessen Rahmen die Folkwang Universität Stipendien an internationale Künstler*innen und Designer*innen vergibt, die nach Essen eingeladen werden, um dort ihre eigenen Projekte zu realisieren. Die dritte Programmrunde wurde 2025 in Indien ausgeschrieben, in Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang und dem Goethe-Institut Max Mueller Bhavan Bangalore.