»Pießkanne« ist ein spekulatives Objekt und eine App, die Urin zu Dünger macht, indem sie dessen Sammlung und Wiederverwendung in lokalen Nährstoffkreisläufen ermöglicht.



Max Popp
»Pießkanne« thematisiert eine Herausforderung im Nährstoffkreislauf, die als Nebenwirkung moderner Landwirtschafts- und Sanitärinfrastruktur entsteht. Vereinfacht gesagt entleeren wir uns nicht mehr innerhalb der Ökosysteme, die unsere Nahrung hervorbringen, wodurch der natürliche Nährstoffkreislauf gestört wird.
Der Begriff »Sanitation Transition« umfasst bereits verschiedene Ansätze zu diesem Problem, viele davon auf industrieller Ebene; jedoch bleibt die Vermischung von Urin mit Fäkalien und anderem Abwasser ein zentrales Hindernis. »Pießkanne« bietet eine spielerische Neuinterpretation des westlichen Urinrituals und stellt den Ressourcenwert von Urin in den Mittelpunkt.
Es handelt sich um ein spekulatives Ritual, das ein physisches Objekt und eine begleitende App kombiniert: Das Objekt vereint die Funktionen einer Gießkanne und eines Sitzurinals und ermöglicht die Sammlung, Verdünnung, temporäre Speicherung und gezielte Anwendung von Urin.
Die App informiert über den Nährstoffgehalt, unterstützt bei der Berechnung von Düngermengen und motiviert spielerisch dazu, möglichst viel Urin in den lokalen Ökosystemkreislauf zurückzuführen und so industrielle sowie fossilbasierte Düngemittel zu ersetzen.