Table Ritual


»Table Ritual« ist ein Produkt-Service-System, welche Pflege sichtbar und gemeinschaftlich erlebbar macht. Es lädt zur spontanen Beteiligung ein und verwandelt eine bislang unsichtbare Aufgabe in ein soziales Ritual. Dadurch entsteht langfristig Wertschätzung, sowohl für Objekte als auch für gemeinsame Räume.

Arba Shabanaj
x
SPACE FOR NARRATIVES

Fotos: Dominik Antoni Krolikowski

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Reinigungswerkzeuge wie Kehrblech und Handfeger normalerweise verborgen werden und nicht Teil der Tischkultur sind. Gleichzeitig entsteht nach dem Essen eine soziale Unsicherheit zwischen Gast und Gastgeber*in: Hilfe wird gewünscht, aber selten eingefordert oder angenommen.
»Table Ritual« überträgt das Kehrblech bewusst in den Kontext des Esstisches und gestaltet es als ästhetisches Objekt, das sich in die bestehende Tableware integriert. Durch seine zentrale Platzierung wird es für alle zugänglich und eröffnet eine neue Form der Interaktion.
Die Handlung des Aufräumens wird dadurch sichtbar, geteilt und wiederholbar und kann sich langfristig als Ritual etablieren, dass Gemeinschaft stärkt und Verantwortung neu verteilt.

TischCare


»TischCare« ist eine stationäre Entsorgungsmöglichkeit für den Esstischkontext, die direkt unter der Tischplatte verschraubt wird. Das System ist als niedrigschwelliges Angebot für den gastronomischen Bereich konzipiert, um Abfälle und Krümel direkt am Tisch mit minimalem Aufwand entsorgen zu können.

Frida Klug
x
SPACE FOR NARRATIVES

Fotos: Dominik Antoni Krolikowski

»TischCare« kann ähnlich einer Schublade unter dem Tisch hervorgezogen und durch Hochziehen des Griffs in einen breiten Handbesen und eine Entsorgungsbox unterteilt werden. Beim Auszug sorgt eine integrierte Sperre dafür, dass das Produkt weder nach vorne noch nach hinten herausfällt. Zur Entleerung oder Säuberung lässt sich diese Blockierung durch leichtes Anheben übergehen, sodass die Aufbewahrungsbox vollständig entnommen und mit einem Lappen oder dem Handbesen gereinigt werden kann. Die Reinigung der Borsten erfolgt durch einen in der Schublade verbauten Kamm. Die Materialien des Produkts sind auf Langlebigkeit ausgelegt: der Besen besteht aus lasierter Buche und Nylonborsten, während der Körper aus verzinktem Stahlblech gebogen wird.
Mit den Maßen 25 cm x 17 cm x 6 cm bleibt »TischCare« bis zur Nutzung unter der Tischkante dezent im Hintergrund, ohne die Beinfreiheit der Gäste einzuschränken.

Let’s talk about kehr-Arbeit

Gemeinsam Besen binden.

Anna Hellmuth
x
SPACE FOR NARRATIVES

Fotos: Anna Hellmuth / Dominik Antoni Krolikowski

Im Zuge eines Workshops bindeten die Teilnehmenden eigene Besen oder Bürsten im Handeinzugsverfahren. Begleitet wurde der Prozess von einem erfahrenen Besenbinder aus einer Blindenmanufaktur, dessen handwerkliche Expertise eine Perspektive sichtbar macht, die gesellschaftlich häufig wenig Beachtung findet. Der Besen dient dabei als alltägliches Objekt mit symbolischer Bedeutung: Er steht für Arbeit, die meist erst sichtbar wird, wenn sie nicht mehr gemacht wird. Während des gemeinsamen Arbeitens entsteht ein offener Raum für Austausch über Themen wie Unsichtbarkeit von Care-Arbeit, Rollenbilder und gesellschaftliche Strukturen.
Das Projekt richtet sich sowohl an Menschen mit eigenen Care-Erfahrungen als auch an Interessierte am kreativen Prozess und gemeinschaftlichen Arbeiten. Neben der handwerklichen Praxis werden Materialien bewusst gewählt – etwa Restholz oder Naturfasern, um nachhaltige Produktionsweisen und ein stärkeres Materialbewusstsein zu fördern.
Der Workshop versteht sich als Beitrag zu sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsdiskursen und stellt die Frage, wie wir Produktivität, Wert und Zusammenleben neu denken können. Gleichzeitig fördert das Projekt soziale Nachhaltigkeit, indem es Gemeinschaft stärkt, Wissen teilt und den Teilnehmenden Mut gibt, selbst aktiv zu werden und handwerkliche Prozesse zu verstehen.

COBRA


»Cobra« ist eine Kehrgarnitur, die Reinigung als selbstverständlichen Teil des Alltags neu positioniert. 

Yamuna Rösch
x
SPACE FOR NARRATIVES

Fotos: Dominik Antoni Krolikowski

Anstatt in der Besenkammer zu verschwinden, bleibt es als Objekt an der Schnittstelle zwischen Werkzeug und Möbelstück dauerhaft im Wohnraum präsent. Eine Wandhalterung, die auch als Ablagefläche dient, verankert das Produkt sichtbar im Raum und erweitert seine Funktion über das Kehren hinaus. Durch diese feste Platzierung ist Cobra jederzeit griffbereit und senkt die Hürde, Verschmutzungen unmittelbar zu beseitigen. Reinigung wird nicht länger als lästige Aufgabe wahrgenommen, sondern als kurze, intuitive Handlung, die sich nahtlos in den Alltag integrieren lässt. Diese Verfügbarkeit fördert geteilte Verantwortung und unterstützt ein selbstverständliches, gemeinschaftliches Handeln. Es wird zum Umdenken und Austausch über Aufgabenverteilung im Haushalt angeregt.
Durch die bewusste Platzierung im Raum und die besondere Formgebung entsteht eine emotionale Wertigkeit, die das Kehrset als Teil des Wohnraums etabliert. Langlebige Materialien und die Möglichkeit Besen und Kehrschaufel auszutauschen, verlängern die Nutzungsdauer zusätzlich. Cobra macht Reinigung also sichtbar, indem es sie räumlich und gedanklich in den Alltag integriert.

ON THE SHOULDERS OF GIANTS WE RECONCILE

Während ihres Aufenthalts bei SBYD.SPACE untersuchte Yuri Nakai, wie Reparatur als architektonisches und soziales Prinzip in einer postindustriellen Region wie dem Ruhrgebiet funktionieren kann.

Yuri Nakai

Artist / Designer in Residence Projekt 

Photos: Yuri Nakai / Konstantin Pütz

Performance Teilnehmer*innen: ⁠
Betsy Paola Contreras Lara, Chloe Challal, Camillo Guthmann, Flora Barreteau, Klara Günther, Merle Pütz

Film: Nils-Lasse Nowak

Gemeinsam mit dem Künstler Konstantin Pütz entwickelte sie die Performance »ON THE SHOULDERS OF GIANTS WE RECONCILE«, in der sie die Erkenntnisse aus ihrer Forschung zusammenführt. Das Video zeigt Ausschnitte aus der Performance, die am 21. Juni auf der Rungenberghalde in Gelsenkirchen stattfand.


Die Arbeit wurde im Rahmen des Gutes Klima Festivals 2025 in Zusammenarbeit mit der Bonnekamp-Stiftung und dem Museum Folkwang auf der Zeche Carl präsentiert.

 Diese Residency war Teil von SBYD.SPACE, einem Programm, in dessen Rahmen die Folkwang Universität Stipendien an internationale Künstler*innen und Designer*innen vergibt, die nach Essen eingeladen werden, um dort ihre eigenen Projekte zu realisieren. Im Jahr 2025 wurde die zweite Runde des Programms in Japan angekündigt. In Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang und dem Goethe-Institut Kyoto Villa Kamogawa wurden die thematischen Schwerpunkte entwickelt und die Stipendiat*innen ausgewählt.

SPACE FOR NARRATIVES KIOSK

Der KIOSK war ein zentrales Element der Ausstellung von SBYD.SPACE auf der Dutch Design Week 2024. Entworfen von SPACE FOR NARRATIVES, vereinte er zentrale Themen der Ausstellung und bezog die Besucher mit interaktiven Funktionen ein.

SPACE FOR NARRATIVES

Fotos: SBYD

Wie die restlichen Möbel der Ausstellung bestand das Design aus vorgefertigten Gerüstteilen, kombiniert mit Platten aus recyceltem Kunststoff – gewonnen aus alten Kühlschränken und CD-Hüllen, bereitgestellt von der Firma Polygood.

Der KIOSK verteilte Zines von SBYD.SPACE, textile Reparatur-Patches und andere Giveaways. Zudem lud er Besucher ein, ihre Visionen einer wünschenswerten Zukunft zu teilen und in einem Briefkasten zu hinterlassen. An Samstagabenden diente er außerdem als Bühne für Gespräche und Podiumsdiskussionen – begleitet von Eis aus Insekten und Algen.

Aktuell steht er im Foyer der Folkwang Universität auf dem Welterbe Zollverein. Dort wird er im Wechsel von verschiedenen SPACES des Projekts genutzt und gibt Einblicke in nachhaltige Designprojekte aus unterschiedlichen Perspektiven.